Die 70er Jahre sind für viele Menschen die Dekade, die am weitesten zurückliegt und gleichzeitig am stärksten von einem bestimmten Lebensgefühl geprägt ist. Wer damals Kind war, erinnert sich an eine Zeit vor der digitalen Welt, vor dem Überangebot, vor der Globalisierung des Sortiments. Die Süßigkeiten dieser Zeit waren einfacher, ihre Auswahl überschaubarer, und gerade deshalb sind die Erinnerungen daran oft besonders scharf. Ein Schokokuss bei der Großmutter, eine Lakritzschnecke aus der Tüte am Kiosk, der Geschmack von Fruchtbonbons in einer bestimmten Papierverpackung: Diese Dinge hinterlassen Spuren, die Jahrzehnte überdauern.
Schokoküsse: Das fluffige Heiligtum der 70er
Schokoküsse, auch Schaumküsse oder Mohrenkopf genannt, waren in den 70ern eines der am häufigsten anzutreffenden Süßigkeiten. Sie bestanden aus einem Waffelgebäck als Boden, einem weichen Schaumzuckeraufsatz und einem dünnen Schokoladenüberzug. Das Essen eines Schokokusses war ein kleines Ritual: Man biss entweder oben hinein und ließ die Schokolade splittern, oder man lutschte vorsichtig an der Seite, bis der Schaum freilag. Wer sie bei der Großmutter aß, verbindet mit ihnen unweigerlich auch den Geruch eines bestimmten Wohnzimmers, eine bestimmte Tageszeit, ein bestimmtes Licht.
Lakritzschnecken: Intensiv, dunkel, unvergesslich
Lakritzschnecken waren in den 70ern keine Nischenware, sondern fester Bestandteil jedes Kiosksortiments. Die weichen, spiralförmig aufgerollten Lakritzstangen hatten einen intensiven, leicht bitteren Geschmack, der Kinder entweder sofort begeisterte oder vollständig abstieß. Es gab keine Mitte. Wer Lakritz mochte, mochte Lakritzschnecken leidenschaftlich. Man rollte sie beim Essen wieder auf, zog sie in die Länge, wickelte sie um den Finger. Sie waren nicht einfach eine Süßigkeit, sondern ein Spielzeug, mit dem man gleichzeitig aß.
Schleckmuscheln: Nicht Fruchtgummi, sondern Brausepulver
Entgegen einer weit verbreiteten Verwechslung waren Schleckmuscheln keine Fruchtgummis in Muschelform. Es handelte sich um flache, dünne Zuckerschalen in Muschelform, gefüllt mit Brausepulver oder farbiger Zuckerpaste, die man herausleckte. Die Schale selbst war oft aus leicht saurem, hartem Zucker und zerbrach beim Lecken allmählich. Das Besondere war die Kombination aus dem knackigen Äußeren und dem weichen, prickelnden Inneren. Schleckmuscheln waren günstig, handlich und sorgten für ein sensorisches Erlebnis, das man so bei keiner anderen Süßigkeit der Zeit kannte.
Kaugummibälle aus dem Automaten: Das 10-Pfennig-Glücksspiel
Runde Kaugummibälle aus dem Automaten hatten ihre absolute Hochsaison in den 70ern. An fast jedem Kiosk, am Eingang vieler Läden und an Straßenecken standen diese Automaten: ein Glas- oder Plastikreservoir voller bunter Kugeln, darunter ein Schlitz für das 10-Pfennig-Stück und ein Drehknopf. Man warf die Münze ein, drehte, und eine Kugel fiel in die Hand. Welche Farbe und welcher Geschmack herauskam, war Teil des Reizes. Manchmal bekam man Pfefferminz, manchmal Erdbeer, manchmal etwas Undefinierbares. Die Kugeln waren hart, wurden aber beim Kauen weich und konnten zu einer Blase aufgeblasen werden, was auf dem Schulhof zu einer eigenen kleinen Disziplin wurde. Der Automat selbst war ein Fixpunkt: Man lief nicht am Kiosk vorbei, ohne kurz stehenzubleiben und nachzusehen, ob noch Geld in der Tasche war.
Candy Stangen: Das Jahrmarkt-Erlebnis zum Mitnehmen
Die langen, rot-weiß gedrehten Zuckerstangen hatten ihre Hochsaison ebenfalls in den 70ern und waren untrennbar mit Jahrmärkten, Kirmes und Weihnachtsmärkten verbunden. Man kaufte sie an einem Stand, und sie waren oft so lang, dass man sie kaum halten konnte ohne sie irgendwo anstoßen zu lassen. Der Geschmack war intensiv süß, leicht nach Pfefferminz oder Frucht, und das Besondere war die Textur: Man konnte sie lutschen, bis sie eine Spitze bekamen, oder abbeißen, wobei der harte Zucker im Mund zersplitterte. Eine Candy Stange zu essen dauerte lange, manchmal den halben Nachmittag, und man trug sie dabei wie ein Accessoire durch den Jahrmarkt. Kinder, die eine hatten, waren kurz die Beneidetesten in der Gruppe. Diese Verbindung zwischen der Zuckerstange und dem Jahrmarkterlebnis macht sie zu einem der stimmungsgeladensten Süßigkeitenklassiker dieser Zeit.
Gebrannte Mandeln: Nicht nur auf dem Jahrmarkt
Gebrannte Mandeln waren in den 70ern zwar vor allem mit Jahrmärkten und Weihnachtsmärkten verbunden, aber auch in Kiosken und Süßwarenläden erhältlich. Der Geruch von Zucker und gerösteten Mandeln war unverkennbar und lockte von weitem. Heute sind sie auf Weihnachtsmärkten allgegenwärtig, aber der Duft, der einen als Kind auf dem Jahrmarkt empfing, ist etwas anderes als das, was man heute kennt. Er war Teil einer Gesamtatmosphäre, die sich nicht rekonstruieren lässt.
Fruchtbonbons in Papier: Die eingewickelten Kleinen
Fruchtbonbons in bunten Papierverpackungen waren in den 70ern in jedem Haushalt zu finden. Die kleinen, harten Bonbons in Erdbeer, Kirsch, Zitrone und Orange steckten in charakteristischen Papierdrehverschlüssen, die man aufdrehen musste bevor man ans Bonbon kam. Das Drehen selbst war schon ein kleines Vorspiel. Diese Bonbons lagen in Schälchen auf Couchtischen, wurden von Großeltern verteilt und steckten in Handtaschen. Man lutschte sie langsam, und je nach Geschmacksrichtung duftete die Luft danach noch minutenlang.
Willy Wonka und die Schokoladenfabrik: Als ein Film die Süßigkeitenkultur prägte
Im Jahr 1971 erschien der Film “Willy Wonka & the Chocolate Factory”, der für eine ganze Generation von Kindern der 70er die Vorstellung von Süßigkeiten grundlegend veränderte. Die Idee einer Fabrik, in der alles essbar ist, in der Schokoladen-Flüsse fließen und Lollipops wie Blumen wachsen, war für Kinder eine echte Utopie. Der Film prägte das Bild von Süßigkeiten als etwas Magisches, Grenzenloses, Unbegreiflichem. Wer ihn als Kind gesehen hat, sah danach jeden Kioskbesuch ein bisschen anders.
Der Tante-Emma-Laden als Süßigkeiten-Tempel
In den 70ern war der Tante-Emma-Laden noch ein fester Bestandteil vieler Nachbarschaften. Dort standen die Gläser mit den losen Bonbons auf dem Tresen, und man zeigte mit dem Finger, was man haben wollte. Die Verkäuferin füllte mit einem kleinen Schäufelchen ab, wog auf der alten Waage und wickelte alles in eine Papiertüte. Dieser Einkaufsprozess, diese persönliche Interaktion über eine Glasvitrine voller Süßigkeiten, war ein eigenes Erlebnis, das mit dem heutigen Supermarktbesuch nicht vergleichbar ist. Der Tante-Emma-Laden ist heute weitgehend verschwunden, und mit ihm diese Art zu naschen.
Was von den 70ern verschwunden ist
Die Liste der verschwundenen Klassiker der 70er ist lang. Bestimmte Hartbonbon-Sorten in charakteristischen Papierverpackungen gibt es nicht mehr. Der Tante-Emma-Laden mit seinen offenen Bonbongläsern ist so gut wie ausgestorben. Der klassische Kaugummiball-Automat an der Straßenecke ist eine Seltenheit geworden. Und die Candy Stange als fester Bestandteil jedes Jahrmarkts hat sich zwar gehalten, aber das Erlebnis drum herum ist ein anderes. Manche regionalen Spezialitäten, die nur in bestimmten Teilen Deutschlands bekannt waren, existieren heute weder als Produkt noch als Marke. Was geblieben ist, sind Schokoküsse, Lakritzschnecken und gebrannte Mandeln in modernisierten Versionen. Aber die spezifische Erfahrung, diese Dinge in einem bestimmten Laden von einer bestimmten Person zu einem bestimmten Preis zu kaufen, ist unwiederbringlich.
- Schokoküsse: Waffelgebäck mit Schaumzucker und Schokoladenüberzug, Pflichtbestandteil jeder Großmutter-Küche.
- Lakritzschnecken: Spiralförmig aufgerollte weiche Lakritzstangen, intensiv und polarisierend.
- Schleckmuscheln: Flache Zuckerschalen mit Brausepulver-Füllung, kein Fruchtgummi.
- Kaugummibälle aus dem Automaten: Das 10-Pfennig-Glücksspiel an jedem zweiten Kiosk, bunte Kugeln in zufälliger Farbe.
- Candy Stangen: Lang, rot-weiß gedreht, untrennbar mit Jahrmarkt und Kirmes verbunden.
- Gebrannte Mandeln: Vom Jahrmarkt in die Kiosktheke, untrennbar mit bestimmten Düften verbunden.
- Fruchtbonbons in Papier: Hart, in Papierdrehverschlüssen, in jedem Wohnzimmerschälchen der 70er.
- Karamellbonbons: Weich oder hart, in Silberpapier eingewickelt, oft von Omas verteilt.
- Kokosringe: Weiße Schaumzuckerringe mit Kokosraspeln, in vielen Kiosken der 70er zu finden.
- Pfefferminzbonbons: Rund, weiß, mit intensivem Menthol, die Bonbons der Erwachsenen, die Kinder heimlich aßen.
Wie sich der Geschmack verändert hat
Wer heute eine Lakritzschnecke kauft, bekommt im Grunde das gleiche Produkt wie in den 70ern. Und doch schmeckt es anders. Nicht weil sich die Rezeptur zwingend geändert hat, sondern weil sich der Kontext geändert hat. Man ist kein Kind mehr, man steht nicht mehr vor dem Kioskregen, man hat nicht mehr 20 Pfennig in der Hand. Geschmack ist nie nur Geschmack, er ist immer auch Situation, Alter, Erwartung. Die Süßigkeiten der 70er schmecken in der Erinnerung intensiver als sie es in Wirklichkeit waren, weil die Erinnerung alles verdichtet und das Ungenaue durch Gefühl auffüllt.
| ✅ Vorteile | ❌ Nachteile |
|---|---|
| Überschaubare Auswahl: Weniger Entscheidungsstress, bestimmte Produkte wurden dadurch zu echten Lieblingen | Überschaubare Auswahl: Wer etwas Besonderes wollte, musste oft lange suchen oder verzichten |
| Lose Bonbons beim Tante-Emma-Laden: Persönliches Einkaufserlebnis, individuelle Mengen möglich | Lose Bonbons: Hygienisch weniger kontrolliert als heutige verpackte Produkte |
| Einfache Zutaten, weniger Zusatzstoffe als heute üblich | Dafür kürzere Haltbarkeit und weniger Geschmackskonstanz |
Warum die Erinnerungen an die 70er Süßigkeiten so besonders sind
Es gibt eine Eigenheit an den 70er-Kindheitserinnerungen, die sie von denen der 80er oder 90er unterscheidet: Sie sind oft mit bestimmten Menschen verbunden, nicht nur mit Orten oder Produkten. Die Lakritzschnecke erinnert an die Großmutter, der Schokokuss an den Sonntagnachmittagsbesuch, das Karamellbonbon an die Hand, aus der man es bekommen hat. Das liegt daran, dass Kinder in den 70ern ihre Süßigkeiten häufiger von Erwachsenen bekamen als sich selbst zu kaufen, weil das Taschengeld geringer war und die Wege zum Kiosk weiter. Diese Abhängigkeit schuf eine andere Art von Erinnerung, eine, in der der Mensch, der die Süßigkeit gab, genauso wichtig ist wie die Süßigkeit selbst. Wer mehr über die Geschichte der deutschen Naschkultur erfahren möchte, findet in unserem Artikel über Süßigkeiten aus der Kindheit einen ausführlichen Überblick. Und wer wissen möchte, was es eigentlich bedeutet eine echte Naschkatze zu sein, findet Antworten in unserem Artikel Was bedeutet Naschkatze?
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Dieser Artikel wurde mit redaktionellem Gespür und Wissen und mit Unterstützung von etwas Süßem und einer KI erstellt.
